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D,L-Methadon und seine Anwendung in der Krebstherapie

 

Zur Zeit wird die Anwendung von Methadon in der Krebsbehandlung diskutiert. Aktuell gibt es noch keine gross angelegten Studien zu diesem Thema, weshalb Methadon nur im off-label-use verordnet werden kann, obwohl D,L-Methadon zugelassen ist für die Schmerzbehandlung bei Krebspatienten.

 

Hierzu einige Informationen von Frau Dr. rer. nat. Dipl.-Chem.

Claudia Friesen

Leiterin des Molekularbiologischen Forschungslabors

Schwerpunkt Onkologie

Zentrum für Biomedizinische Forschung

Universität Ulm

Helmholtzstraße 8/1

89081 Ulm.

 

Frau Dr. Friesen erforscht die Wirksamkeit von Methadon in der Krebsbehandlung, Zitat:

 

Wie wirkt Methadon bei Krebskranken?

Insgesamt kann Methadon Krebszellen für bestimmte Therapien empfindlicher machen. Denn eigentlich wehren sich Tumrozellen, wenn sie ein Chemotherapeutikum zerstören will: Sie pumpen das Medikament schnellstmöglich aus ihrem inneren heraus. Methadon verhindert diese Reaktion, wodurch das Therapeutikum in höherer Konzentration in den Zellen wirken kann. Zudem entstehen durch die Chemotherapie zusätzliche Opioidrezeptoren auf den Tumorzellen, weshalb sich Methadon und die „herkömmliche“ Chemotherapie gegenseitig verstärken. „Weiterhin hebt das Opioid Blockaden in Signalwegen auf, die den programmierten Zelltod verhindern“, weiss Dr. Friesen und vergleicht diesen Vorgang mit einer Dominosteinkette. „Methadon entfernt die Blockaden, die ‚Dominosteine’ können fallen und am Ende steht der Tod der Krebszelle.“ Diese Wirkungen von Methadon konnten die Forscher für zahlreiche Krebsarten nachweisen – vom Brust- über den Darmkrebs bis zum schwarzen Hautkrebs. Den molekularen Mechanismus haben sie 2013 in der Fachzeitschrift Oncotarget für die Leukämie und 2014 in Cell Cycle für einen häufigen Hirntumor, das Glioblastom, publiziert. Weitere Untersuchungen der Gruppe haben gezeigt, dass D,L-Methadon allein in sehr seltenen Fällen Tumorzellen zerstören kann. Nämlich immer dann, wenn diese über ausreichend viele Andockstellen für Opioide verfügen. Meist ist D,L-Methadon jedoch lediglich Verstärker, der zusätzlich zur Chemo- oder Strahlentherapie eingesetzt werden kann und deren zelltötende Wirkung unterstützt. Gesundes Gewebe hat keine oder wenige Opioidrezeptoren und wird deshalb geschont. Die Ergebnisse der Ulmer Forscher konnten von anderen Gruppen – unter anderem von der University of Calgary und der Universität München (LMU)- bestätigt werden.

 

Gibt es Risiken für den Patienten?

In den eingesetzten Dosen hat Methadon offenbar keine gravierenden Nebenwirkungen. In einer gemeinsam mit Forschern der Berliner Charité in der Fachzeitschrift Anticancer Research publizierten retrospektiven Studie berichten die Ulmer und Berliner Wissenschaftler vor allem über Verstopfung, Müdigkeit und Übelkeit unterschiedlicher Schweregrade zu Therapiebeginn. Claudia Friesen betont: „Die Dosis macht das Gift: Jedes überdosierte Medikament ist gefährlich. Doch D,L-Methadon ist eine zur Schmerztherapie zugelassene Substanz, weshalb es zahlreiche klinische Studien zum Einsatz bei Schmerzpatienten gibt.“ Dabei werden die Forscherinnen und Forscher nicht müde zu betonen, dass D,L-Methadon lediglich ergänzend zur Chemo- oder Strahlentherapie gegeben werden sollte und nicht als alleiniges Krebsmedikament.

 

Wann startet eine klinische Studie zu Methadon in der Krebstherapie?

Eines eint Befürworter und Gegner von D,L-Methadon in der Krebstherapie: Sie fordern eine prospektive, kontrollierte, klinische Studie. Nur so kann die positive Wirkung des Opioids bei verschiedenen Krebsarten wissenschaftlich belegt werden. Schon bald könnte eine prospektive Erhebung starten: „Eine Studie zur Wirkung einer kombinierten Krebstherapie mit D,L-Methadon beim Hirntumor Glioblastom ist von der Universität Heidelberg eingereicht worden. „D,L-Methadon ist eine von fünf Substanzen, die hier getestet werden soll“, weiss Dr. Friesen. Eine weitere klinische Studie sei mit der Uniklinik Ulm geplant. Interessierte Teilnehmer gibt es wohl genug: Seit geraumer Zeit gehen unzählige Anfragen zu Methadon von Krebskranken, ihren Ärzten und Angehörigen am Institut für Rechtsmedizin ein. Dr. Claudia Friesen.

 

Interessieren Sie sich für dieses Thema oder sind selbst betroffen, können Sie sich für weitere Informationen gerne an uns wenden.

 

Dr. med. Karl-Heinz Bauer.


Postnatale Depression - Auszüge aus einer Präsentation (von Dr. med. K.-H. Bauer)

Einführung

 

Postpartale (natale) Depressionen werden im Allgemeinen alle

  • schwereren
  • länger andauernden und
  • behandlungsbedürftigen

depressiven Erkrankungen bezeichnet, die im ersten Jahr nach der Entbindung auftreten oder bestehen. Abzugrenzen ist die

  • postpartale Dysphorie („baby blues") und
  • die postpartale Psychose

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Symptome

 

Die postpartale Depression unterscheidet sich nicht prinzipiell von anderen Depressionen. Hervorzuheben sind:

  • Antriebslosigkeit und Interessensverlust
  • Appetit- und Konzentrationsstörungen
  • Extreme Müdigkeit, bzw. das Gefühl, nicht genügend Schlaf zu bekommen
  • Ängste und Affektlabilität
  • Schuldgefühle, Versagensängste (kann mein Kind nicht versorgen)
  • Zwangs- und Panikgedanken (ich könnte meinem Kind was antun)
  • Suizidimpulse (sich und/oder das Kind zu töten)
  • Libidoverlust

 

Häufigkeit

Art Klassifizierung/Einteilung und Dauer Häufigkeit

Postpartaler

Blues

depressive Verstimmung: Stimmungslabilität, erste Woche postpartal

25-80%

 

Postpartale Depression

depressive Erkrankung: erste Monate bis 1 Jahr postpartal

21%

 

Postpartale Psychose

 

depressives, manisches oder gemischtes (bipolares) Bild, schizophrenes oder atypisches Bild erste Monate postpartal

0,2%

 

 

Allg. Depressionen

Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung an Depressionen zu erkranken

17%

 

Diagnostik

Die postpartale Depression ist gekennzeichnet durch:

  • Schlafstörungen oder Gefühl, nicht genug Schlaf zu bekommen
  • traurige Niedergeschlagenheit
  • Insuffizienzgefühle
  • Mangelnder Antrieb
  • Erschöpfung
  • Mangel an liebevollen Gefühlen dem Kind gegenüber
  • Gefühl, überfordert zu sein, vom Baby „aufgefressen zu werden"
  • Versorgung des Kindes mechanisch und freudlos
  • Vermeidung der Kommunikation mit dem Baby

Vorsicht: aus Scham und Schuldgefühlen wird die Symptomatik häufig verschwiegen! 

 

 

Prophylaxe und Früherkennung

  • Anamnese: seelische Störungen schon erfragen bei Beginn der Schwangerschaft, da hohes Wiedererkrankungsrisiko (30 - 60 %)
  • Geburtsvorbereitungskurse nutzen (Infos über die Zeit nach der Geburt reduziert Scham- und Schuldgefühle)
  • auf Schlafstörungen als Frühsymptom achten (geringere Schamschwelle, solche Störungen zuzugeben)
  • Hebamme und Umfeld einbeziehen
  • eventuell Screening mit EPDS
  • Präventiv Therapie einleiten bei Frauen, die schon mal eine Depression oder PPD hatten
  • postpartale Depression enttabuisieren

 

 

Therapie

  • Aufklärung
  • Entlastung von Schuldgefühlen
  • Beratung über Hilfen/Anlaufstellen/praktische Hilfen (Internet)
  • Förderung eines entspannten Mutter-Kind-Kontaktes
  • Psychotherapie (Überweisung zur ambulanten Psychotherapie, geg. stationäre Einweisung in Mutter-Kind-Abteilungen)
  • medikamentöse Behandlung (Antidepressiva, Neuroleptika)
  • hormonelle Substitution (?)
  • Prophylaxe bei Risikopatientinnen

Wenn Sie mehr Informationen zu diesem Thema (oder gar die komplette Präsentation) wünschen, kontaktieren Sie uns bitte telefonisch oder über das Öffnet internen Link im aktuellen FensterKontaktformular. 

 

Herzlichst Ihr Dr. Karl-Heinz Bauer

Bewegung - Ein populärer Irrtum in der Behandlung des Übergewichtes?

Macht es Sinn, Bewegung in der Behandlung der Adipositas einzusetzen? Der Bewegungsmangel wird als Zivilisationsphänomen behandelt, angeblich sterben jedes Jahr etwa 600.000 Menschen in Europa an Bewegungsmangel und dieser Mangel gilt als einer der häufigsten Ursachen für Adipositas.

 

Jedoch: Die meisten Patienten mit Übergewicht ab einem BMI von mehr als 30 sind weder gewillt noch fähig, durch Bewegung Fett zu verbrennen oder ihr Gewicht zu regulieren! Dies wird an Beispielen aus einer Abnehmgruppe illustriert. Ist deshalb die Forderung, durch Bewegung Fett zu verbrennen, eine illusionäre Riesenerwartung, die nur wenige erfüllen können oder wollen?

 

Wenn Sie mehr Informationen zu diesem Thema wünschen kontaktieren Sie uns bitte telefonisch oder über das Öffnet internen Link im aktuellen FensterKontaktformular.

 

Herzlichst Ihr Dr. med. Karl-Heinz Bauer.